Samstag, 3. Dezember 2016

Palmyra ist bunt

Zu einem Gleichnis unserer Gegenwart


Cover des Buches 'Palmyra' 


Die Nachricht von der Zerstörung des antiken Palmyra durch fanatische IS-Rebellen hat Menschen in aller Welt fassungslos gemacht - und fällt schwer, das Entsetzen über eine derartige Barbarei auszusprechen, wenn Morden und Sterben den Alltag so vieler bestimmen. Dem Buch des französischen Althistorikers Paul Veyne "Palmyra. Requiem für eine Stadt" merkt man das an. Deutlich unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse entstanden, ist es dem ermordeten Archäologen und ehemaligen Generaldirektor der Altertümer von Palmyra Khaled al Asaad gewidmet.


Diesem aktuellen Bezug verdankt Paul Veynes historische Darstellung ihre besondere Bedeutung und Botschaft. Er erzählt die Geschichte einer antiken Metropole, wie sie war, jedoch so, dass sie zu einem Gleichnis unserer Gegenwart wird - und mehr noch: zu einem Spiegel, in dem sich keineswegs jeder gefallen darf. Modern gesagt: Palmyra ist bunt. Seine Lage an der Seidenstraße - weit bis ins Mittelalter wichtigste Fernhandelsroute zwischen Ost und West - ermöglichte dort nicht nur die Anhäufung sagenhafter Reichtümer, sondern auch ein fortwährendes Zusammentreffen vielfältiger und verschiedener kultureller, religiöser, politischer Einflüsse, das zur Ausprägung hybrider Formen führte.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Weihnachtsgeld fällt nicht vom Himmel...

...sondern wurde von unserer Gewerkschaft erkämpft!




Liebe Nicht-Gewerkschaftsmitglieder,


das Weihnachtsgeld ist keine milde Gabe der Arbeitgeber, sondern im Manteltarifvertrag als Lohnsonderzahlung festgelegt. Diese Leistung wurde von Gewerkschaftsmitgliedern erkämpft.
Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern steht dieses Geld deswegen aus moralischen Gründen nicht zu.

Bitte überweist den Betrag an den ver.di-Arbeitskreis Junge Mode. Die KollegInnen werden Eure Spende an die Opfer kapitalistischer Profitgier in den Textilfabriken in Bangladesh weiterleiten.
Die Bankverbindung erfahrt Ihr über folgende Mail-Adresse: hugendubel.verdi@yahoo.de


Vielen Dank für Euer Verständnis!

Mit solidarischen Grüßen,
Infoblog-Redaktion

Montag, 28. November 2016

Arbeitgeberverband kündigt den Manteltarifvertrag Buchhandel und Verlage in Bayern





Entgegen der Absprache vom Juni 2016 hat der Arbeitgeberverband überraschend den Manteltarifvertrag zum kommenden Mai gekündigt. Im Rahmen der letzten Entgelttarifverhandlungen hatte der Verband noch darauf bestanden, dass man mit der ver.di Tarifkommission ab Herbst 2016 Mantelgespräche im ungekündigten Zustand führen möchte, aber dies ist nun Geschichte! Dies bedeutet, dass ab 01. Juni 2017 der Manteltarifvertrag wieder offen ist!

 Was auf dem Spiel steht seht ihr unter:



 www.buch-mit-tv.info

Mittwoch, 23. November 2016

Buch Dir Deine Zukunft?

34 Cent über dem Mindestlohn:  Kann man von einem Buchhändlergehalt leben?





Betrachtet man die Zukunft einer ehemaligen Auszubildenden von Hugendubel, gerät man ins Grübeln und ins Zweifeln.

Nach ihrer dreijährigen Ausbildung bei Hugendubel erhielt sie einen auf ein Jahr befristeten Vertrag als Buchhändlerin Verkauf. In der Entgeltgruppe/-stufe der gültigen Vergütungsordnung, in die sie eingruppiert war, zahlt unsere Arbeitgeberin einen Stundenlohn, der um 0,34 € über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt (zum Vergleich: in Bayern bekommen Buchhändlerinnen Verkauf in der TG II im ersten Jahr gemäß Tarif ca. 12 € pro Stunde). Sie hatte eine 40-Stunden-Woche, ohne Spätöffnungs-zuschläge.

Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder gar vermögenswirksame Leistungen waren nicht für sie vorgesehen. Als das Jahr vorbei war, erhielt sie erneut einen auf ein Jahr befristeten Vertrag zu gleichen Bedingungen. Als dieses Jahr sich dem Ende zuneigte, wartete sie nicht auf ein weiteres Zukunftsangebot. Sie fand für sich eine Alternative.

Es gab niemanden in der Filiale, der sie nicht dazu beglückwünscht hat.

Montag, 21. November 2016

Betriebsversammlung in München

Betriebsversammlung in München am 22. November



Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am 22. November findet die nächste Betriebsversammlung in München statt.

Ort: Kolpinghaus in der Adolph-Kolping-Str. 1
Uhrzeit: ab 09.30 Uhr


Als Gäste sind eingeladen:
unser Gewerkschaftssekretär Schorsch Wäsler, Geschäftsführer Thomas Nitz und Regionalleiterin Henriette Soltow.


Bitte erscheint zahlreich und beteiligt euch aktiv an den Diskussionen.


Freitag, 18. November 2016

Metastasizing misery

Bücher und Filme aus und über die USA

Die Abwicklung als Taschenbuch 


Niemand kann mit Sicherheit sagen, wann die Abwicklung begann - wann die Bürger Amerikas zum ersten Mal spürten, dass die Bande sich lösten. Dass der Glaube an die gemeinsame Zukunft nicht mehr gültig ist. Doch irgendwann bemerkten es alle: Tammy, Fabrikarbeiterin, Dean Price, gläubiger Kleinunternehmer, Matt, Irak-Kriegsveteran, aber auch die vermeintlichen Gewinner wie Oprah Winfrey, Rapper Jay-Z oder der PayPal-Gründer Peter Thiel.

Das große Versprechen von Glück und Wohlstand für alle gilt nicht mehr. Institutionen und Werte sind ausgehöhlt. Es zählt nur noch eine Macht: das organisierte Geld. Mittels eindringlicher Portraits schafft der preisgekrönte Autor George Packer eine einzigartige literarische Collage, die eine Nation in Auflösung zeigt.


Montag, 14. November 2016

Statement

Schaufensterdekoration der Hugendubel-Filiale in Hamburg-Altona
 am Tag nach der Trump-Wahl


“Donald Trump hat die Wut einer absteigenden Mittelschicht angezapft, die die Wirtschaft, die Politik und die Medien des Establishments satt hat. Die Leute haben es satt, immer länger für immer geringere Löhne zu arbeiten und zuzusehen, wie ordentlich bezahlte Jobs nach China und in andere Billiglohnländer ausgelagert werden. Sie haben Milliardäre satt, die keine Einkommensteuer zahlen, und sie haben es satt, dass sie ihren Kindern kein College-Studium finanzieren können, während die Reichen immer reicher werden.

“Sofern es Mr. Trump ernst damit meint, eine Politik zu verfolgen, die das Leben der Arbeiterfamilien in diesem Land verbessert, sind ich und andere Progressive dazu bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten. Wenn er aber eine rassistische, sexistische, fremdenfeindliche und umweltschädliche Politik verfolgt, werden wir uns ihm energisch entgegenstellen.”

Statement von Bernie Sanders zu Trump


Donnerstag, 10. November 2016

Wofür Geld da ist

Panzer statt Kitas: Militärausgaben sollen steigen



Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine starke und dauerhafte Erhöhung der Militärausgaben der BRD angekündigt. »Da geht es dann nicht um 300 Millionen«, erklärte Merkel kürzlich auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Paderborn. US-Präsident Barack Obama habe ihr gesagt, es könne nicht dabei bleiben, dass die USA 3,4 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Sicherheit ausgäben, ein NATO-Verbündeter wie Deutschland aber nur 1,2 Prozent. Das zugesagte Ziel liege bei zwei Prozent. »Um von 1,2 auf 2,0 Prozent zu kommen, müssen wir ihn sehr stark steigern«, sagte Merkel über den Wehretat. Derzeit liegt dieser bei 34,3 Milliarden Euro. Er müsste um mehr als 20 Milliarden Euro angehoben werden, um an das Zwei-Prozent-Ziel zu kommen.

Also 20 Milliarden Euro mehr. Das wären dann insgesamt über 54 Milliarden für die "Sicherung unserer Handelswege" (Ex-Bundespräsident Köhler) bzw. zur "Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch" (SPD-Politiker Struck). Die Rüstungsindustrie und ihre Lobbyisten reiben sich die Hände. Das sind aber auch 54 Milliarden, die fehlen für Kita-Plätze, die Renovierung von Schulen, die Sanierung von Brücken, den sozialen Wohnungsbau, den Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Integration von Flüchtlingen und für Renten, von denen man leben kann.  Ist das etwa ein Thema für die täglichen Talkshows? Fehlanzeige!

Montag, 7. November 2016

Ästhetik des Widerstands

Zum 100. Geburtstag von Peter Weiss

Foto: Peter Weiss

Der Schriftsteller, Maler und Filmemacher Peter Weiss wird am 8. November 1916 in Nowawes bei Berlin geboren. Wegen seiner jüdischen Abstammung muss er 1934 Deutschland verlassen. Vor der Auswanderung stirbt seine Schwester Margit nach einem Verkehrsunfall. Weiss geht zunächst mit seinen Eltern und Geschwistern nach England, dann in die Tschechoslowakei, nach Warnsdorf. Er schreibt, malt, Hesse wird für ihn wichtig, nach einem Besuch bei diesem in Montagnola geht er nach Prag auf die Kunstakademie. 1939 folgt er den Eltern, die nach der Besetzung des Sudetenlandes nach Schweden emigriert sind. Nun "ganz ins Exil" verschlagen, beginnt der schwierige Prozess der Ablösung von den Eltern, der Versuch, sich als Maler zu behaupten, die Notwendigkeit, sich mit Brotarbeit durchzuschlagen.

Freitag, 4. November 2016

Linke Literaturmesse

4.11. - 6.11. im Künstlerhaus in Nürnberg




Und hier geht´s zum Programm: www-linke-literaturmesse.org

Montag, 31. Oktober 2016

Licht ins Dunkeldeutschland


Biedermänner & Brandstifter (Teil 5) :  Was ist Populismus?
 
 

"Bestrebungen, die Interessenkonflikte zwischen »Volk« und »Elite« zum Dreh- und Angelpunkt der Politik zu machen, werden als rechtspopulistisch bezeichnet. Rechtspopulisten grenzen sich gleichermaßen nach oben: gegen eine »politische Klasse«, die sich dem »Volk« gegenüber entfremdet hat und dessen wahre Probleme ignoriert, wie nach unten: gegen »Arbeitsscheue«, »Asoziale« und (migrantische) »Sozialschmarotzer« ab.

Populismus ist mehr als eine Stilfrage und eine Agitationstechnik, worauf schon die ursprüngliche Wortbedeutung verweist, die den Anspruch damit Bezeichneter erkennen lässt, Politik im Namen des Volkes und/oder für das Volk zu machen. Je nachdem, ob man diese Zielgruppe im Sinne von »Ethnos« oder »Demos« versteht, bildet das »eigene« oder das »gemeine Volk« den Fixpunkt. Zwar haben Rechtspopulisten nur wenig Hemmungen, ihrerseits – etwa als Parlamentsabgeordnete oder Minister – die Privilegien der Mächtigen und Regierenden in Anspruch zu nehmen, verlangen von diesen jedoch, sich nicht persönlich zu bereichern, sondern selbstlos »der Sache des Volkes« zu dienen. Rechtspopulisten stellen die soziale Frage, beantworten sie aber mitnichten überzeugend. Meistens verknüpfen solche Gruppierungen die soziale mit der nationalen Frage, wo doch eine Verbindung von sozialer und demokratischer Frage nötig wäre.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Im Katzenjammer der Globalisierung

oder die Wurzeln der Torheit


Wer nach den Wurzeln dessen fragt, was wir Abendland nennen, wird zunächst an das antike Rom oder Athen denken. Er wird aber auch auf zwei Orte der Erinnerung außerhalb Europas stoßen: Jerusalem und Damaskus. Es gilt das Dichterwort des Horaz: "ex oriente lux" - und besagt ungleich mehr, als nur dass im Osten die Sonne aufgeht.

Das mag vielleicht mit ein Grund sein, wenn heute - in Zeiten des Kulturalismus und Kulturrassismus - gerade dort, wo die geistige Tradition des Westens vermutlich noch am lebendigsten ist, die Furcht vor der vielbeschworenen >Überfremdung< durch Muslime und Ausländer kaum eine Rolle spielt: in den Kirchen. Vorbei die dunklen Tage, da Priester von der Kanzel herab zum Kreuzzug aufriefen; stattdessen wird vom Ambo aus Menschlichkeit und Toleranz gepredigt. Europas letzte Christen scheinen die letzten Aufklärer zu sein. Fehlte nur noch, dass Devisen wie trinité egalité fraternité Bischofswappen zierten - Voltaire hätte seine helle Freude!

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Free Words Turkey

Petition für Meinungsfreiheit in der Türkei



Zehn Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels unterstützen eine Petition für mehr Meinungsfreiheit in der Türkei. Sie haben gemeinsam die Petition "Für das Wort und die Freiheit 'FreeWordsTurkey'" unterzeichnet.

Die Unterzeichner, darunter Navid Kermani, Swetlana Alexijewitsch, Liao Yiwu, Boualem Sansal, Friedrich Schorlemmer und Alfred Grosser, fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf, sich eindeutig für die Meinungsfreiheit in der Türkei einzusetzen, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main mitteilte.

"Journalistinnen und Schriftsteller zu verfolgen, weil sie als unabhängige Instanzen des politischen Wissens und Gewissens ausgeschaltet werden sollen - das alles schützt keine Demokratie. Es zerstört sie", sagte die diesjährige Friedenspreisträgerin Carolin Emcke. "Eine jede Demokratie lebt dann und nur dann, wenn sich die Menschen, die in ihr leben, darüber verständigen können, wie sie miteinander leben wollen", begründet Emcke ihr Engagement. "Dafür braucht es das offene Denken und angstfreien Widerspruch, die Freiheit der Kritik wie die der Utopie."

Montag, 24. Oktober 2016

"Es gilt das gesprochene Wort"

Carolin Emckes Dankesrede
anlässlich der Verleihung des Friedenspreises
 des deutschen Buchhandels 2016

I.
"Wow. So sieht es also aus dieser Perspektive aus...


All die ersten Jahre, seit der Auszeichnung an George F. Kennan 1982, schaute ich die Verleihung des Friedenspreises von unten nach oben: Meine Eltern hatten eigenwilligerweise nur zwei Fernseh-Sessel, Kinder mussten sich unterhalb arrangieren und so lag ich auf dem Teppich und hörte gebannt die Reden der Preisträger. Ich sage „Preisträger“, denn die ersten dreizehn Jahre, die ich von unten nach oben blickte, waren es ausschließlich Männer. Auch als ich längst eine eigene Wohnung hatte, behielt ich dieses Ritual bei: Ich betrachtete den Friedenspreis vom Fußboden aus. Irgendwie schien das auch angemessen zu sein. Seit der Preisverleihung an David Grossman saß ich dort, wo Sie jetzt sitzen. Letztes Jahr noch bin ich mit einem Freund am Vorabend der Verleihung nachts in den Festsaal im Frankfurter Hof geschlichen, um die Tischordnung für das Festessen zu manipulieren...(wobei wir peinlicherweise erwischt wurden) und jetzt das hier...