Freitag, 19. August 2016

Lob der Dialektik



 
Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden.
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:
Jetzt beginne ich erst.

Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
Was wir wollen, geht niemals.

Mittwoch, 17. August 2016

Solidarisch und internationalistisch

Deutsche Gewerkschafter-Delegation zu Besuch in Peru und Kolumbien


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Gewerkschafterdelegation von ver.di und GEW vor einem Cencosud-Supermarkt (Foto: Claudia Schröppel / junge Welt)


Cencosud ist einer der größten Handelskonzerne in Lateinamerika. Seine Profite erzielt das dem deutschstämmigen Chilenen Horst Paulmann gehörende Firmenimperium auf dem Rücken seiner Beschäftigten:

12-Stunden-Schichten waren keine Seltenheit, Lohnerhöhungen gab es jahrelang nur für Manager und Abteilungsleiter. Um sich gegen diese Ausbeutung zu wehren, gründeten die Beschäftigten eine Betriebsgewerkschaft und konnten erste Erfolge erzielen. Doch der Konzern holte über seine Verbindungen in die Politik zum Gegenschlag aus:

Montag, 15. August 2016

WIR



Otto Griebel, Die Internationale (1929)



  Wir sind Müllmänner, Altenpfleger, Schweißer und Monteure

wir sind Animateure, Heizer und Friseure

sind Putzhilfen, Kassenkräfte, Fräser, Mechatroniker

Fernmeldetechniker, Bäcker oder Komiker

sind Call Center Agents oder Sozialarbeiter

Akkordfließbandopfer, Dreher oder Bademeister

Kellner, Lokführer, Flugbegeleiter, Krankenpfleger

Bankangestellte und gezwungenermaßen Anzugträger

Metzger oder Rausschmeißer in Clubs

Freitag, 12. August 2016

Gender und Psyche

Sind Frauen stärker von psychischen Störungen betroffen?



Gender und psychische Probleme: Bei vielen Krankheitsbildern gibt es ausgeprägte geschlechtsabhängige Unterschiede. So zeigt der DAK-Psychoreport, dass die Betroffenenquote bei psychischen Erkrankungen stark auseinanderdriftet: Frauen sind mit knapp sechs Prozent fast doppelt so oft mit psychischen Leiden krankgeschrieben wie Männer (3,3 Prozent). Auch epidemiologische Studien verdeutlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Warum die Unterschiede so groß sind und welchen Einfluss eine geschlechtsspezifische Wahrnehmung und Präsentation von Beschwerden auf das Krankheitsgeschehen hat, ist ein Forschungsschwerpunkt von Prof. Dr. Anne Maria Möller-Leimkühler. Sie ist leitende Diplom-Sozialwissenschaftlerin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Gender und psychische Probleme: Warum haben Frauen wesentlich mehr Fehltage wegen psychischer Störungen als Männer?

Mittwoch, 10. August 2016

"Der Handlungs- und Behandlungsbedarf steigt"


Interview mit Hans-Peter Unger




Immer mehr Fehltage werden durch psychische Erkrankungen verursacht. Wie erklären Sie diesen Trend?

Man muss zwischen der rasanten Entwicklung der AU-Zahlen und der tatsächlichen Prävalenz psychischer Krankheiten unterscheiden:  Es gibt heute nicht mehr psychisch kranke Menschen als vor zehn oder zwanzig Jahren, sie werden aber besser diagnostiziert und weniger stigmatisiert.

Fakt ist, dass der Handlungs- und Behandlungsbedarf weiter steigt. Epidemiologische Studien zeigen, dass rund 40 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen psychischen Krise erkranken. Viele Fälle bleiben also auch heute noch unerkannt.

Warum werden psychische Erkrankungen in Ballungszentren häufiger diagnostiziert als im ländlichen Raum?

Montag, 8. August 2016

"Wir brauchen eine umfassende Anti-Stress-Politik"

DAK: Krankenstand auf Rekordniveau

Zettel mit Aufschrift "Krank" auf Tastatur auf Tatsta  

Nach Angaben der DAK haben die Krankmeldungen in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Mehr als jeder dritte Berufstätige war im ersten Halbjahr 2016 mindestens einmal krankgeschrieben, psychische Leiden und Rückenschmerzen nehmen deutlich zu.

Zu den Zahlen der DAK sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach:
"Die Zahlen belegen einmal mehr, wie wichtig ein wirksamer Arbeitsschutz ist. Wir brauchen eine umfassende und vor allem verbindliche Anti-Stress-Politik. Eine Anti-Stress-Verordnung, die für mehr Klarheit in Bezug auf das betriebliche Handeln sorgt, gehört ebenso dazu wie wirksame Sanktionen bei Verstößen im Arbeitsschutzrecht."

Freitag, 5. August 2016

Labor des Widerstands

Gewerkschaftliche Organisierung bei Amazon


Gemeinschaftlich über die Ampel gehen - das kann einen Betrieb ganz schön stören. Das haben jedenfalls die Streikenden bei Amazon Leipzig im Herbst 2014 festgestellt. Mit Studierenden der Leipziger Uni blockierten sie so eine Zeitlang die Zufahrt zu ihrem Versandzentrum. Weil alle LKW diese Ampel passieren müssen, konnte schon bald kein Transporter mehr runter vom Gelände und keiner mehr drauf. Weil die Streikenden pausenlos den Ampelknopf drückten, die Straße überquerten und sich gelegentlich die Schuhe mitten auf der Straße neu banden.

Bis zur Autobahn stauten sich damals die LKW, was sogar zu Stauwarnungen im Radio führte. Für das Unternehmen Amazon bedeutete das, dass kein LKW mehr nach Plan vor den Verladerampen ein- und auslief und auch kein Paket nach Plan ausgeliefert wurde.

Wenn Amazon bis heute, nach bald drei Jahren Streik, wiederholt behauptet, die Aktionen der Amazon-Beschäftigten hätten keine Auswirkungen, dann ist das nichts weiter als notwendige Öffentlichkeitsarbeit, um Millionen Kunden zu beruhigen. Was die Amazon-Beschäftigten bereits erreicht haben und ob sie ihr Ziel, einen Tarifvertrag, erreichen werden, das haben die Autoren Jörn Boewe und Johannes Schulten in ihrer Analyse "Der lange Kampf der Amazon-Beschäftigten" untersucht.

Montag, 1. August 2016

Propaganda

Wie Unternehmen ihr Image konstruieren: Beispiel Amazon

Selbst die Minions haben nichst zu lachen bei Amazon
Selbst die Minions haben nichts zu lachen bei Amazon (Foto: ver.di)


Propaganda (von lateinisch propagare ‚weiter ausbreiten, ausbreiten, verbreiten‘) bezeichnet einen "absichtlichen und systematischen Versuch, öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion zu steuern" (Wikipedia).

Dies geschieht nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg hatte jedes größeres Unternehmen seine eigene Propaganda-Abteilung. Da der Begriff durch die Nazis vollkommen diskreditiert war, ersetzte man ihn durch die unverfänglicheren Begriffe "Public Relations" oder "Öffentlichkeitsarbeit". Wir bringen im folgenden einen Text des Amazon-Kollegen Crissy, der sich am Beispiel von Amazon mit dem Thema auseinandersetzt.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Neues aus der Blogosphäre

Was ist los in den anderen ver.di-Blogs?



Wir wollen wie schon in der Vergangenheit einen Blick über den Hugendubel-Tellerrand werfen und darüber berichten, welche Themen in den anderen ver.di-Blogs eine Rolle spielen.
Heute: OBI und Wöhrl.

Montag, 25. Juli 2016

Solidarität versetzt Berge

Gewerkschafter Orhan Akman zurück in Peru!

Orhan bei der Ankunft in Lima

Wie die internationale Dienstleistungsgewerkschaft UNI Américas mitteilt, ist der Ende März aus Peru ausgewiesene deutsche Gewerkschafter Orhan Akman nach Lima zurückgekehrt. UNI Américas hatte gemeinsam mit der deutschen ver.di eine internationale Solidaritätskampagne organisiert, mit der die peruanischen Behörden zur Rücknahme des Einreiseverbots für Akman aufgefordert wurden. In dieser Woche zeigte der Druck nun Wirkung: Die Einwanderungsbehörde in Lima teilte in einem Dokument mit, dass Akman als Peru-Koordinator der UNI Américas wieder einreisen darf. Am Donnerstag (Ortszeit) traf Akman in Lima ein.

Freitag, 22. Juli 2016

Scheue Rehe

Beim Steuersparen ein scheues Reh, bei der Profitmaximierung ein Raubtier: Das Kapital


Google zahlte über 10 Jahre bei einem Gewinn von rund 9 Mrd. Euro in England ca 3% Steuern.
Goldman Sachs zahlte 2015 - bei einem Gewinn von 2 Mrd. Dollar ebendort 1,3% Steuern. Großbanken wie JP Morgan, Merrill Lynch, Deutsche Bank oder Morgan Stanley zahlten 2014 genau NULL Steuern in ihren Herkunftsländern. Starbucks hat es geschafft, in 11 Jahren in Deutschland KEINEN EINZIGEN EURO Ertragssteuern zu zahlen. IKEA dürfte sich zwischen 2009 und 2014 in Europa über EINE MILLIARDE EURO an Steuern "erspart" haben.   (Quelle: attac, März 2016)

Mittwoch, 20. Juli 2016

Skandalöse Reichtumspflege



Steuergeschenke, Erbschaftsteuer

Eine gigantische Welle großer Erbschaften und Schenkungen rollt über unser Land. Jedes Jahr werden 200 bis 300 Milliarden Euro weitergegeben. Der große Vermögenstransfer verläuft nach dem Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Acht Prozent der Bevölkerung bekommen zwei Fünftel des zu vererbenden Vermögens. Jede/r Zweite geht leer aus.
Damit verschärfen Erbschaften die soziale Spaltung. Die Politik fördert die vererbte Ungleichheit. In der Steueroase Deutschland zahlen
Erben im Schnitt nur sieben Prozent Steuern, sofern sie überhaupt über den Freibeträgen liegen. Verantwortlich dafür ist die weitgehende Verschonung von Betriebsvermögen. Jetzt hätte die große Chance bestanden, diese Reichtumspflege einzuschränken.


Montag, 18. Juli 2016

Sommer, Sonne, Urlaubszeit

21 Fragen und Antworten rund um den Urlaub


Urlaub             

1. Urlaub früher
Frage: Wie viel Urlaub gab es 1963 nach dem Bundesurlaubsgesetz?

Antwort: 1963 sicherte das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) 18 Tage bezahlten Urlaub zu, - 
bezogen auf die Sechs-Tage-Woche. Macht also 3 Wochen Urlaub.


2. Urlaub heute

Frage: Welchen Mindesturlaubsanspruch haben Arbeitnehmer/innen nach dem Bundesurlaubsgesetz heute?

Antwort: Heute sagt das im Jahr 1994 aktualisierte Bundesurlaubsgesetz, dass jede/r Arbeitnehmer/in pro Jahr 24 Tage Urlaub, bezogen auf die Sechs-Tage-Woche, hat. Das sind also vier Wochen Mindesturlaub. Mit Tarifverträgen kann aber auch mehr Urlaub 
vereinbart werden.

Freitag, 15. Juli 2016

Ein gefährliches Hirngespinst


- oder die wichtigste Nebensache der Welt



Je mehr - so steht zu befürchten - in Politik und Gesellschaft von Werten oder Kultur gesprochen wird, desto weniger gibt es davon. Wenn ganz Deutschland seit Monaten wieder wie wild über >westliche Werte< schwadroniert, bliebe deshalb - selbst wenn alle wüssten, wovon sie reden - dennoch zu klären, ob sie dasselbe meinen. Wer nämlich argwöhnt, wir hätten keine, täuscht sich gewaltig: wir haben so viele, dass schon niemand mehr recht sagen kann, wo in der Werthierarchie oben oder unten ist - und produzieren ständig neue. Kein Wunder, wenn da (angeblich über einen bloßen Verfassungspatriotismus hinaus - was genau genommen heißt: weit darunter!) die Forderung nach ihrer Normierung via >Leitkultur< laut wird!



Wie leicht es bei solchen >Tofu-Wörtern< mit geringem semantischem Eigengeschmack zu dummen und dümmsten Missverständnissen kommen kann, lehrt das Exempel des Mahatma Gandhi, "der auf die Frage, was er von britischer Zivilisation halte, zur Antwort gab: >Ich glaube, das wäre eine sehr gute Idee<." Der Witz liegt hier darin, dass ein normatives Konzept von >Zivilisation< oder >Kultur< - die Wörter werden im englischen Sprachraum meist synonym gebraucht - mit einem anderen kollidiert, das von einer faktisch vorhandenen Lebensform ausgeht. Das aber ist beileibe nicht die einzige Schwierigkeit, die in diesem Begriff steckt.